Meilensteinmomente – Krabbelstubenzeit


Bevor ich selbst Kinder hatte, war die Krabbelstube für mich mit schlechten Emotionen verbunden. Zu meiner Kindheit gingen nur Kinder deren Eltern und Großeltern keine Zeit hatten in die Krabbelstube und man hat immer gehört: „Die armen Kleinen, so früh müssen sie schon in eine Betreuung.“
Heute ist es ganz normal geworden, dass viele Kinder bereits ab einem Jahr oder wie bei uns ab 1,5 Jahren fremdbetreut werden. Immer schwieriger ist es die Lebenskosten zu decken, wenn nur eine Person arbeitet. Die Großeltern arbeiten meist selbst noch, sind zu weit entfernt oder einfach nicht mehr gewillt, die Enkelkinder eine ganze Woche zu betreuen, da sie selbst ihre Pension genießen. Es nutzen aber auch viele Eltern die Möglichkeit der Fremdbetreuung, obwohl sie keine Notwendigkeit haben, denn die Kleinen können von der Krabbelstube auch in vielerlei Hinsicht profitieren.

Da ich und Clemens selbstständig sind und unsere Eltern noch arbeiten, haben wir uns bei beiden Töchtern für die Krabbelstube entschieden. Bei der ersten Tochter war der Kloß im Hals zu Beginn groß, aber da für sie selbst die Eingewöhnung in der Kinderkrippe so unproblematisch und bei mir plötzlich stressfreies Arbeiten möglich war, ging es mir sehr schnell gut mit der Entscheidung. Unsere Große durfte sogar 4 Jahre in die Krippe gehen, da es im Kindergarten keinen Platz gab. Sie erinnert sich noch heute, an die für sie schönste Zeit. In dieser kleinen Gemeinschaft von 10 Kindern mit 2 Betreuerinnen waren einfach so viele besondere Aktivitäten möglich. So konnte sie dabei sein, als aus den Puppen Schmetterlinge geschlüpft sind, sich mit Rasierschaum am ganzen Körper einreiben, die Maria in ihrem ersten Krippenspiel mimen, mit Fingerfarben große Gemälde malen, Lieder und Reime im Jahreskreis lernen und die Jahreszeiten mit allen Facetten und im Zuge vieler Feste kennenlernen.
Außer Frage war es daher, dass auch unsere Kleine in die Krabbelstube, zum Glück sogar zur selben Pädagogin und Helferin, gehen würde. Im April 2019 hat sie in der Krippe gestartet und Corona ist Schuld, dass sie leider sehr viele Dinge, die ihre Schwester erlebt hat, nicht erleben konnte und lange Zeit zuhause war. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Krabbelstubenzeit dieses Mal gefühlt viel zu schnell vergangen ist. Außerdem muss sie bereits einen Tag vor ihrem dritten Geburtstag in den Kindergarten wechseln, da ihr Platz für ein anderes Kind benötigt wird. Als Eltern denken wir, dass sie reif ist für den Wechsel und trotzdem ist es wieder ein emotionaler Meilensteinmoment der auf uns zukommt. Bereits am kommenden Montag beginnt für unsere Kleine die Kindergartenzeit.

Wie die Zeit vergeht:
Start und Ende deiner Krabbelstubenzeit
April 2019, Dezember 2019, September 2020

Heute am letzten Krabbelstubentag muss ich doch einige Tränen verdrücken, denn wir haben die Entscheidung für die Krabbelstube bei beiden Kindern nicht bereut, da sie wirklich eine wundervolle Zeit hatten. Natürlich ist das einer wirklich tollen Pädagogin und Helferin zu danken. Diese neuen Bezugspersonen haben sie von Anfang an mit so viel Liebe empfangen. Unsere Töchter hatten die Möglichkeit den Tagesablauf und die Regeln in einer Gruppe zu lernen, erste Freundschaften zu knüpfen, selbstständig zu werden und altersgerecht gefördert zu sein. Wir werden gemeinsam mit unseren Töchtern immer an die schöne Krabbelstubenzeit zurückdenken und die schönsten Erinnerungen haben einen Platz in unserem Meilensteine-Buch. Jetzt heißt es aber stark sein für heute, denn Abschiede fallen mir leider gar nicht leicht…aber ich blicke auch mit einem lachenden Auge dem Montag entgegen, an dem für unsere Kleine wieder ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Wie habt ihr die Krabbelstubenzeit eurer Kinder empfunden? War die Trennung zu Beginn schwer? Fiel euch der Abschied auch so schwer?

Julia Strandl
Buchbinderei Strandl

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